Wertschätzung u. Verramschung

Liebe Frau Ministerin,

In Ihrem Amt ist es sehr lobenswert, sich der Forderung Ihrer Landwirtschaftsgemeinde nach mehr Wertschätzung ihres Berufes und ihrer Produkte, anzuschließen. Dies wird von Ihren Wählern auch nicht anders erwartet.
Allerdings sollten Sie erkennen, dass es bei Ihrer Klientel in der Hauptsache darum geht, dass insbesondere ihre Tierprodukte, aus der Sicht der Erzeuger, unterbezahlt werden. In diesem Punkt sollten sich die Herrschaften mal an die eigene Nase fassen und werden feststellen, dass sie sich selbst die Schuld an dieser Situation geben müssen.

Wir leben nun mal allesamt in einem System der freien Marktwirtschaft, in dem sich Preise aufgrund von Angebot und Nachfrage ergeben. Den Landwirten muss doch einleuchten, dass bei der derzeitigen Massentierhaltung und dem damit verbundenen Überangebot an Fleisch, ein Preisverfall nicht ausbleiben kann.
Das gleiche Problem entsteht doch beim Anbau von Obst und Gemüse. Hier werden jedes Jahr tonnenweise Lebensmittel vernichtet, nur damit die Preise stabil gehalten werden können, Das ist eine Schande wenn man bedenkt, dass auf anderen Kontinenten Millionen Menschen verhungern.

Wenn ich dann von unseren gut betuchten und gut genährten Politikern höre, dass unsere Lebensmittel von den Discountern zum Teil verramscht werden, bleibt mir die Spucke weg. Können sich diese Herrschaften eigentlich vorstellen, dass viele tausend Familien Woche für Woche auf die Sonderangebote der gescholtenen Ladenketten warten? Nicht weil sie aus Gier unbedingt Ramschware kaufen wollen, sondern weil sie jeden Cent dreimal umdrehen müssen, um bis zur nächsten Gehalts- oder Harz 4 Zahlung über die Runden zu kommen. Diese Leute würden auch lieber  qualitativ hochwertige Lebensmittel kaufen, wenn sie es denn könnten.

Es muss doch jedem selbst überlassen sein, ob er zum Kolonialwarenhändler, Metzger oder zum Discounter geht. Teure Ware ist nicht unbedingt auch die bessere Ware! Lebensmittelpreise werden insbesondere zum Wochenende reduziert, um dem Verderben der Ware zuvorzukommen.

Aus dem Kreise der Politiker entspringt momentan wieder eine geniale Idee. Als ein für alle Seiten zufriedenstellendes Allheilmittel wird derzeit eine neue Fleischsteuer angedacht, um den Bauern die Umstellung auf eine bessere Tierhaltung und den Ausbau der Ställe zu ermöglichen. Das klingt gerade so, als würden die Landwirte nicht schon seit Jahren permanent subventioniert.

Von Seiten der Landwirte und der fleischverarbeitenden Industrie werden die Handelsketten angeprangert, bestellte Waren oft kurzfristig teilweise wieder zu stornieren, sodass sie auf den Partien sitzenbleiben würden. Außerdem würden die fälligen Zahlungen für die gelieferte Ware nicht rechtzeitig erfolgen.
Was hat das mit einer fehlenden Wertschätzung zu tun? Diese Punkte zeigen lediglich, dass die Liefer- und Zahlungsbedingungen fehlerhaft, zu Gunsten der Einkäufer, formuliert sind.

Alles in allem muss gesagt werden, dass nicht nur die Landwirtschaft, sondern jeder Beruf, jedes Produkt und unsere gesamte Umwelt wertgeschätzt werden müssen.

In dem Zusammenhang wäre es empfehlenswert, auch einmal den Wert unsere Politiker schätzen zu lassen!

 

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