Unglaublich aber wahr

Werkstatt des Jahres!

Ich habe den Eindruck, dass heute der Zeitpunkt gekommen ist, von meinem aufgestauten Ärger über eine KFZ-Vertragswerkstatt zu berichten und meiner Nörgelmentalität freien Lauf zu lassen.
Was meinen Zorn so richtig in Wallung gebracht hat, ist mir in dieser- und der vergangenen Woche selbst widerfahren.

Seit nunmehr annähernd 13 Jahren habe ich einen vierrädrigen, asiatischen Kameraden, der mich und meine Familie mittlerweile über mehr als 200.000 km ohne Murren problemlos durchs Leben begleitet.
Letzte Woche allerdings wollte er mir einmal deutlich machen, wie wertvoll er für mich eigentlich wirklich war.

Auf dem Rückweg von einem Arztbesuch zu meinem Wohnort begann das Drama, welches mir ganz sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Unmittelbar an einer stark frequentierten Ampel streikte der Motor meines Wagens. Der Anlasser gab zwar sein Bestes, kraftvoll und unüberhörbar, ansonsten passierte allerdings nichts mehr.
Ich konnte das Schimpfen und Fluchen der hinter mir stehenden Autofahrer regelrecht spüren, als die Ampel bereits zweimal in die Grünphase gesprungen war und ich immer noch nicht weiterfuhr. Es dauerte einige Zeit, bis sie begriffen hatten, dass ich nicht hinter dem Steuer eingeschlafen war, sondern einfach nicht fahren konnte.
Der erste Schweiß auf meiner Stirn war bereits eingetrocknet, als der Wagen beim etwa zwanzigsten Startversuch doch noch ein Einsehen mit mir hatte und ein erlösendes Geräusch von sich gab.
Jetzt aber schnell über die Kreuzung und ab in Richtung Heimat.

Außerhalb der geschlossenen Ortschaft, noch etwa 10 km von meinem Wohnort entfernt, war mein Kamerad der Meinung, nun wohl genug geleistet zu haben. Noch während der Fahrt stellte der Motor seine Arbeit ein und ich konnte noch gerade an den Straßenrand rollen, um den fließenden Verkehr nicht noch einmal zu behindern.
Jetzt konnte mir nur noch ein gelber Engel helfen! Glücklicherweise war ich bereits seit vielen Jahren Mitglied des Automobil Clubs und konnte nun einmal seine Leistungsfähigkeit testen.
Es dauerte auch nicht lange, bis einer aus dieser Engeltruppe auftauchte, sich mein Problem erklären ließ und den Fehlerspeicher an meinem Wagen auslas. Seine Diagnose: „Klarer Fall, Nockenwellen-Sensor ist defekt. Kleinigkeit, Schraube auf, Sensor tauschen, Schraube zu, fertig! Fahren können Sie jetzt aber nicht mehr, ich lasse Sie zur nächsten Werkstatt abschleppen!“
Gesagt, getan, eine halbe Stunde später hing mein Fahrzeug am Haken und wurde auf die Ladefläche des Abschleppwagen gezogen.

Der ADAC brachte mein Auto wunschgemäß zu einer freien Werkstatt in Hude, wo der defekte Sensor dankenswerterweise bereits am nächsten Tag ausgetauscht werden konnte. Für diese Tätigkeit wurden mir von der Werkstatt 20 Minuten Arbeitszeit in Rechnung gestellt, eine tolle Sache.
Die Abholung verlief problemlos, der Wagen sprang an und schaffte es bis zuhause, wo er wieder seinen Geist aufgab.
Nach Rücksprache mit der Werkstatt erhielt ich den Rat, doch eine Vertragswerkstatt des Autohauses aufzusuchen, da nur diese Werkstätten  über spezielle Werkzeuge verfügen würden.
Noch am gleichen Tag machte ich mich mit einem Leihwagen auf den Weg nach Oldenburg zu der Firma, wo ich seinerzeit mein Fahrzeug gekauft hatte. Ein sehr freundlicher Service-Mitarbeiter ließ sich mein Problem schildern und war auch der gleichen Meinung, wie bereits der ADAC Mitarbeiter. Also, Wagen wie abgesprochen am Sonntag nach Oldenburg schleppen lassen, damit bereits am Montag die Reparatur durchgeführt werden konnte.
Meine persönliche Rückfrage am Montag wurde von einem anderen, nicht sonderlich freundlichen Mitarbeiter dahingehend beantwortet, dass der notwendige Sensor bestellt sei. Zwei Tage später, anläßlich einer erneuten Rückfrage über den Fortgang der Reparatur erklärte mir die gleiche Person, dass trotz intensiver Suche der Fehler nicht zu finden sei. Es wären bis zum derzeitigen Zeitpunkt bereits 8 Stunden bei der Fehlersuche in der Werkstatt angefallen. Wie lange sollen wir denn noch suchen? Es wäre wohl das Beste, den Wagen aus dem Verkehr zu ziehen.
Ich glaubte nicht richtig gehört zu haben und musste meinen aufkommenden Zorn mühevoll bändigen. Diesen Spruch musste ich erst einmal sacken lassen.

Nachdem ich mir erst einmal einen Leihwagen für die nächsten Tage  besorgt hatte, gab ich der Werkstatt noch eine weitere Chance, mein Fahrzeug wieder zum Leben zu erwecken.

Als auch am Donnerstag keine positive Nachricht der Werkstatt zu verzeichnen war, ist mir endgültig der Kragen geplatzt.
Per Mail habe ich mich an die Geschäftsleitungen der Hersteller Organisation und des Autohauses gewandt. Während der Hersteller sich unmittelbar mit mir und dem Autohaus in Verbindung gesetzt hat, habe ich von der Leitung des Autohauses leider überhaupt nichts gehört.

Aufgrund meines Schreibens geschah bei dem besagten Autohaus  noch am selben Tag ein großes, nicht vorhersehbares Wunder!
Ich erhielt erstmals einen Anruf des Service-Mitarbeiters, dass der Fehler gottlob gefunden sei und mein Auto wieder voll funktionsfähig wäre.
Es wurde auch gleich ein Schuldiger gefunden, die freie Werkstatt habe ein defektes Teil eingebaut und darauf wäre man niemals gekommen.
Angesichts der Verzögerungen erhielt ich noch die Zusage, dass mir der angemietete Leihwagen kostenfrei zur Verfügung gestellt werde.

Als ich meinen Wagen am nächsten Tag wie abgesprochen abholen wollte,
war er oh Wunder, leider wieder nicht fertig. Der erforderliche Nockenwellen-Sensor wäre bedauerlicherweise noch nicht angeliefert worden.
Erst am Montag, also eine komplette Woche nach Reparaturbeginn, war es dann soweit, ich konnte meinen Wagen wieder fahrbereit in Empfang nehmen. Mir wurde auch zugesichert, meine Reparatur-Rechnung wohlwollend zu behandeln.

Zu allem Überfluß wurde meine Frau ca. zwei Stunden vor dem geplanten Rückgabetermin des Leihwagen in einen selbst verschuldeten Unfall verwickelt. Hierbei stellte sie dann fest, dass in dem Leihwagen weder ein KFZ-Schein noch ein Versicherungs-Nachweis, noch ein Mietvertrag vorhanden waren, eine sehr unangenehme Situation gegenüber Polizei und Unfallgegner.
Bei Rückgabe des Wagens stellte sich dann heraus, dass trotz Vollkasko- Versicherung eine Selbstbeteiligung in Höhe von € 511,00 fällig wurde.
Die von mir unterschriebene Vordruckskopie lag mir zwar nicht vor, sie war aber in einem Ordner beim Autohaus abgelegt.

Der Ausfall eines Sensors im Wert von ca. 80,00 € kostete mich trotz einer Reduzierung der Stunden für die Fehlersuche von 8 auf 4,5 Std. aus Kulanzgründen:

4.5 Std. a) 94,01 €  für Fehlersuche und Einbau = €  475,00
(Mindestlohn für Fehlersucher)
Material                                                                     €  226,00
SB für Leihfahrzeug, was nicht notwendig war      €  511,00
Insgesamt:                                                                   € 1.212,00

Ich habe mir erlaubt, meine Rechnung unter Vorbehalt zahlen zu wollen. Es kostete mich einige Mühe, mir diesen Vermerk widerwillig auf der Rechnung bestätigen zu lassen.

Diese Reparaturabwicklung hat mir gezeigt, dass es außerhalb der Garantiezeit keinerlei Sinn ergibt, in einem Störfall unbedingt eine Vertrags-Werkstätte aufzusuchen weil man glaubt, nur hier die entsprechenden Fachleute anzutreffen. Gute Mechaniker, mit ausgezeichnetem Autoverstand sind auch an anderer Stelle für bedeutend weniger Geld zu finden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommentar verfassen