RTL-Zirkus

 

Wahl und Werbung

Voller Erwartung habe ich mich am Sonntag, den 20.8. um 22.15 Uhr auf die Sendung „An einem Tisch mit Angela Merkel“ gefreut und  ein angeregtes Frage- und Antwortspiel unter der Leitung vom Moderatorenteam Gresz/Kloeppel erwartet.
Peter Kloeppel ist ein langjährig erfahrener Chefmoderator, von dem man weiß, dass er eine derartige Frage- und Diskussionsrunde souverän über die Bühne bringen kann.

In der Vorankündigung wurde ausdrücklich versichert, dass Frau Merkel die Publikumsfragen nicht bekannt seien und vorab keine Absprachen getroffen waren.
Nicht erwähnt wurde die Tatsache, dass die einzelnen aktuellen Themen, über die gesprochen werden sollten, von RTL eindeutig festgelegt waren. Es war schon ein sonderbarer Zufall, dass zu jedem Diskusionsthema zufällig eine
dem Sender bekannte Person im Zuschauerraum saß, die dann gut vorbereitet ihre Fragen an Frau Merkel stellte.

Diese Vorgehensweise war eigentlich nicht die, die ich von diesem Abend erwartet hatte.
Jeder halbwegs politisch interessierte Mensch weiß doch, dass gerade in dieser Situation, alle Politiker nur noch im Wahlkampf-Modus leben. Wenn schon zu normalen Zeiten kaum ein vernünftiges Wort dem Mund eines Politikers entschlüpft, so muß man im Wahlkampf nur einen bestimmten Knopf drücken und die einstudierte Litanei sprudelt automatisch aus ihm heraus, immer nach der Devise: „Viel reden, nichts sagen!“

Besonders auffällig war zudem die hektische Atmosphäre, die durch den in anderen Sendungen sonst so ausgeglichenen Moderator verursacht wurde. Jedes Thema konnte nur kurz angerissen, aber nie richtig zufriedenstellend ausdiskutiert werden, weil die gesamte Sendung unter permanentem Zeitdruck stand.
Es wäre besser gewesen, weniger Themen zu behandeln, dafür aber den Zuschauern mehr Freiraum für ihre eigenen Fragen zu lassen.
Ganz besonders deplaziert waren die zahlreich eingeblendeten Werbeblöcke, die für die Finanzierung des Senders selbstverständlich lebenswichtig sind. Innerhalb einer solchen Informations-Sendung haben derartige Einblendungen meines Erachtens aber wirklich nichts zu suchen.

Von einem Gespräch an einem Tisch mit Frau Merkel, konnte auch keine Rede sein.  Lediglich zwei Akteure schafften es, an Frau Merkels Tisch zu kommen. Der Rest wollte oder durfte seinen Zuschauerplatz nicht verlassen und musste sich mit einem Fernduell begnügen.

Von dieser Wahlkampf Sendung hatte ich mir einiges mehr erhofft, als das, was mir RTL letztendlich bieten konnte.

 

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