Ratlos

Handel im Wandel

Als ehemaliger Mitarbeiter des Kaufhof-Konzerns schlendere ich auch heute noch gerne, gemeinsam mit meiner Frau, durch die GALERIA Kaufhof-Karstadt, verbunden mit einem Besuch in der schönen Stadt Oldenburg.
Wir haben über Jahre hinweg beobachten müssen, wie sehr sich das Unternehmen aus unserer Sicht negativ verändert hat. Trotz aller Umbauten und optisch verschönernden Maßnahmen lässt sich die Entwicklung zum Ramschladen nicht verbergen.

Wie allgemein bekannt, hat der Konzern erhebliche Schwierigkeiten, an vielen Standorten seine Daseinsberechtigung im Einzelhandel zu behaupten. Die derzeitige Corona Krise wird von der Firmenleitung sehr gerne dazu genutzt, als Begründung für stark zurückgehende Umsatzzahlen hinzuhalten.

Ehrlicherweise sollten sich diese Herrschaften einmal eingestehen, dass diese Probleme bereits seit einigen Jahren bestehen, als an Covid-19 noch nicht zu denken war. Trotzdem wird jetzt versucht, sich dem allgemeinen Trend anzuschließen und die Pandemie für das Sterben der Kaufhäuser verantwortlich zu machen.
Jetzt wird eindeutig die Chance gewittert, einem Sterbenden noch auf Kosten der Steuerzahler die letzte Ölung verpassen zu können.
Hier wären allerdings Hilfeleistungen gleichzusetzen mit dem Sprichwort: „Perlen vor die Säue werfen“

Meines Erachtens gehört die Zeit der großen Warenhausketten der Vergangenheit an. Der permanente Personalabbau, fehlende Beratung und mangelhafter Service haben dazu geführt, dass sich der Kunde verstärkt dem Online-Handel zugewandt hat. Wer zusätzlich eine vernünftige Produktberatung haben möchte, der wendet sich an seinen Fachhandel vor Ort.

Ich habe immer geglaubt, dass ein Unternehmen wie Kaufhof-Karstadt in schlechten Zeiten alles daransetzen würde, seinen Kundenstamm unter allen Umständen zu halten. Leider hat mir mein letzter Besuch vor wenigen Tagen gezeigt, dass jegliches Fingerspitzengefühl, selbst bei den kleinsten Lapalien total fehlt und dass die noch verbliebenen Kunden vor den Kopf gestoßen werden.

Seit Jahren benutze ich für meinen Einkauf aus Bequemlichkeit das gebührenpflichtige Kaufhof Parkhaus. Das Unternehmen hat immer deutlich gemacht, dass seine Kunden jeweils innerhalb der ersten Stunde einen Preisvorteil gegenüber einem Fremdparker haben. Als Kundennachweis dient ein Automatenchip, der an der Kasse aktiviert wird.
Meine Frau kaufte sich letzte Woche im Kaufhof ein paar Laufschuhe und musste nach Abzug eines Personalrabattes noch ca, 35,00 € zahlen. Natürlich legte sie der Kassiererin nichtsahnend den Parkhaus Chip zur Aktivierung des Kundenrabattes vor. Reaktion der Kassiererin (Corona-Heldin): „Das machen wir nur noch bei Käufen ab 50 Euro!“

Eine sehr wirksame Maßnahme zur Kundenbindung und um einer drohenden Insolvenz entgegen zu treten. In der Geschäftsleitung scheint man der Meinung zu sein, dass der Konzern wohl nur noch über die Parkgebühren zu retten sein dürfte.
In einem ehemals stolzen Unternehmen schreitet der Verfall weiter fort.
Dieser Umstand stimmt mich als ehemaligen Mitarbeiter sehr traurig!

Nachdem jetzt bekannt geworden ist, dass der Konzern insgesamt 62 Filialen kurzfristig schließen wird, das Oldenburger Haus jedoch noch vorläufig von einer derartigen Maßnahme verschont bleibt kann man nur hoffen, dass die Geschäftsleitung endlich zu einem vernünftigen Konzept zurück findet und die noch verbliebenen Arbeitsplätze erhalten bleiben.

 

 

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