Alle waren Kinder

Kinder gestern und Kinder heute


Niedlicher kleiner Kerl
Aufgrund zahlreicher Gespräche bin ich mir heute vollkommen sicher, dass sich sehr viele Menschen Gedanken darüber machen, worin die Unterschiede zwischen der eigenen Kindheit und der Kindheit der heutigen Jugend bestehen.
Auch ich stelle mir sehr oft die Frage, was war früher anders? War unsere Jugendzeit, vor mehr als einem halben Jahrhundert schöner, waren wir besser als die heutigen Gören, oder bilden wir uns die Unterschiede lediglich ein?

Aus meiner eigenen Erlebniswelt, der Jugendzeit meiner Kinder und der Kindheit unserer dritten Generation, meiner Enkel, möchte ich hier nur einige wenige Unterschiede aufzeigen, ohne selbst eine Wertung vorzunehmen.

Eventuell werdet ihr euch in dem einen- oder anderen Fall selbst wiedererkennen.

Nach Beendigung des zweiten Weltkrieges im Mai 1945 begann das Leben in den deutschen Städten und Dörfern wieder zu erwachen. Ich hatte im August 1944 das seinerzeit trostlose Licht der Welt erblickt, um noch das Elend und die Armut zum Kriegsende erleben zu müssen.

An die ersten Jahre meines Daseins gibt es für mich Gott sei Dank überhaupt nur schemenhafte Erinnerungen. Ich weiß nur noch soviel, dass meine Mutter und meine Oma ständig für mich präsent waren. Mütter haben in dieser Zeit zwar sehr viel arbeiten müssen, aber ausschließlich im eigenen Haushalt und für die eigene Familie.
Auch nach der Rückkehr meines Vaters aus der Gefangenschaft änderte sich an dieser Situation nichts. Es war eine Selbstverständlichkeit, dass der Vater durch seine Arbeit für den Lebensunterhalt der Familie sorgte, die Mutter für die Haushaltsführung und die Erziehung der Kinder, deren Zahl mittlerweile auf drei angewachsen war,  zuständig sein musste.
Allerdings soll nicht unerwähnt bleiben, dass der Staat uns bereits damals mit einem satten Kindergeld in Höhe von monatlich 50,–DM ab dem 2. Kind unterstützt hat. Wir konnten zwar kein üppiges Leben führen, hatten nicht den neusten technischen Schnickschnack, waren aber immer satt und meist zufrieden.
Gespielt und gerauft wurde fast ausschließlich auf der Straße, gemeinsam mit den Kindern der Nachbarn und den übrigen Freunden. Das Fußballspiel mit einer leeren Blechdose hatte dabei einen hohen Stellenwert, genau wie das vor sich Hertreiben einer alten Fahrradfelge. Das primitivste Spielzeug brachte den grössten Spaß.

Die Situation unseres vielversprechenden Nachwuchses und der heutigen Eltern hat sich mittlerweile gravierend verändert. Beide Elternteile sind in der Regel ganz- oder halbtags in z.T. nervenaufreibenden Jobs eingebunden und ständig darum bemüht, ihre lieben Kinderchen irgendwo unterbringen zu können.
Hier stellt sich die Frage, warum müssen beide Elternteile eigentlich berufstätig sein?
Sind die Lebenshaltungskosten in den letzten Jahrzehnten derart gestiegen, dass ein Normalverdiener seine Familie nicht mehr ernähren kann?
Fühlen sich die Mütter nicht ausgelastet und wollen aus Karrieregründen unbedingt berustätig sein?
Sind sie finanziell dazu gezwungen, weil die Einkommen der Ehemänner zu gering sind?
Sind die Löhne insgesamt derart niedrig, dass man mit einem Gehalt nicht mehr klar kommt, oder sind die Ansprüche, die man an sein Leben stellt einfach überzogen?

Bei vielen jungen Ehepaaren geht es vorrangig darum, erst einmal alle Energie in den Karriereaufbau und den Erwerb von Wohneigentum zu investieren. Zusätzlich gehören natürlich in jede Familie zwei attraktive Autos, eine top ausgestattete Wohnungseinrichtung und mindestens zwei Urlaubsreisen jährlich. Kinderwünsche werden so lange hinten angesiedelt, bis man sich von dem angenehmen und bequemen Leben nicht mehr trennen möchte, oder bis eine Zeugung nicht mehr funktioniert.
Trotz zahlreicher neuer Gesetze wie Elterngeld; Elterngeld Plus; Elternfreizeit; Betreuungsgeld; Kitaplatz Anspruch, Kinder-Freibetrag und deutlich angehobenem Kindergeld sind viele deutsche Ehepaare nicht bereit, von einer Zweier-Partnerschaft zu einer Familie zu werden.

Mit welchen Tricks haben es unsere Mütter bloß geschafft, drei oder vier Kinder ohne diese gesetzlichen Hilfsmittel zu erziehen? Wie war es machbar, ohne Zentralheizung, ohne Spül- und Waschmaschine, ohne Trockner, Fernseher und Handy zu leben? -Unvorstellbar-!

Ich bin glücklich über die Tatsache, dass meine Eltern gezwungenermaßen noch andere Werte zu schätzen wussten, ansonsten könnte ich jetzt nicht hier sitzen und schreiben.

3 Gedanken zu „Alle waren Kinder“

  1. Hallo Opa Dieter,
    guter Artikel und aus Sicht der heutigen Omas und Opas sicher verständlich. Ich dikutiere auch gerne zu diesem Thema, habe ja selber zwei kleine Kinder, einen sehr anstrengenden Job und fühle mich damit überlastet. Aber leider geht es wirklich nicht anders.Mein Mann als Erzieher verdient Vollzeit noch nicht einmal 2000 Euro netto. Davon könnten wir unser (MIET!) Haus und unser (URALTES!) Auto sowie alle anderen Lebenskosten niemals bezahlen.Also musste ich,sobald mein Kind jeweils ein Jahr alt war, auch wieder arbeiten.Wobei auch ich Erzieherin bin und sehr wenig verdiene für viel stressige Arbeit. (Übrigens arbeiten mein Mann und ich beide in einer leitenden Position, was auch noch zusätzlich Verantwortung und Arbeit mit sich bringt) Nun gut, zusammen verdienen wir also 3200 netto. Ist das viel? Nein, alleine der Kitaplatz für unseren Kleinen kostet monatlich 330! Euro! Und Miete für ein Haus mit Garten ist auch kein Schnäppchen in Oldenburg.Aber mir ist es wichtig, dass Kinder auch zu Hause draussen spielen können.Versicherungen, Arztkosten, Vereinsbeiträge, Schulsachen, Kleidung, Ausflüge etc…. Die Liste der Kosten ist lang!
    Also ich würde mir wirklich wünschen, dass bei zwei Gehältern wenigstens so viel übrig bleibt, dass man sich mal einen Babysitter leisten kann um ins Kino zu gehen. Aber das ist definitiv nicht drin. Und unsere Großeltern sind leider auch sehr viel mit sich beschäftigt .
    Wenn beide Elternteile bis nachmittags arbeiten ist natürlich auch für Haushalt, Einkäufe etc. weniger Zeit und man möchte ja nachmittags auch gerne noch für seine Kinder da sein. Ich beschreibe noch mal eben einen normalen Wochentag aus meiner Sicht :
    Um sechs Uhr aufstehen, sich selbst und Kinder fertig machen, frühstücken und die Kinder zu ihren jeweiligen Kindergärten bringen. Immer in Eile, damit man selbst nicht zu spät zur Arbeit kommt.Nach der Arbeit dann (schnell) die Kinder abholen, die Betreuung geht nur bis 15 Uhr und ich arbeite bis 14.45 Uhr. Okay, beide Kinder abholen und wenn möglich nach Hause. ( oft aber auch zum Fußballtrainig,Spielplatz, Freunden, Schwimmkurs oder Gitarrenunterricht) Abends sieht die Wohnung aus wie … und wenn die Kinder im Bett sind , macht man nur noch das Nötigste. Es ist schwierig Mutter und Arbeitnehmer in Teilzeit zu sein. Ich habe auch meinen Anspruch alles gut zu machen und immer das Gefühl ich habe zu wenig Zeit. ( für mich selber natürlich auch)
    Also… ich würde gerne wissen, was machen wir falsch? Hast Du einen Ratschlag aus den guten alten Zeiten?
    LG,
    Mareike

    1. hallo Mareike,
      ich freue mich riesig über deinen ersten Kommentar. Es ist insgesamt die erste Reaktion auf meinen frisch gebackenen Blog.
      Deine Reaktion zeigt mir, dass zumindest eine Person mein Geschreibsel zur Kenntnis genommen hat, der Blog beginnt zu leben!
      Eingangs möchte ich die sagen, dass ich nicht als Klugscheißer angesehen werden möchte, der alles besser weiß.
      Ich bin lediglich ein nicht mehr ganz so junger Schreiberling, der sich über die zurückliegenden Jahre seine Gedanken macht.
      Hätte ich das Ei des Kolumbus gefunden, wäre ich sicherlich ein gut bezahlter Familienberater geworden.
      So aber kann ich nur feststellen, dass sich im Laufe meines Lebens, die Welt und das Leben innerhalb der Familie gewaltig geändert hat.
      Zu meiner Zeit konnte man noch mit dem Verdienst des Vaters eine Familie ernähren. Heute ist das kaum noch möglich.
      Das liegt sicher nicht nur an den enorm gestiegenen Kosten, sondern in der Hauptsache am Lebensstil. Das, was heute jede Familie unbedingt als lebensnotwendig betrachtet, war für unsere Generation Utopie.
      Ich habe gemeinsam mit meiner Frau 4 Kinder großgezogen und weiß daher genau, dass dies nicht immer einfach ist. Meine Kinder haben auch bereits wieder eine eigene Familie, auch hier sind ständig Streßsituationen zu beobachten.
      Ich glaube, dass der Hauptgrund für die Unterschiede zwischen damals und heute damit zu begründen ist, dass zu meiner Zeit die Familie mehr im Mittelpunkt stand. Heute dreht sich gezwungenermaßen fast alles nur noch ums liebe Geld.
      Wenn ich mir deinen Kommentar so anschaue denke ich, dass ihr sicher nich viel falsch machen werdet. Ein ganz normaler Haushalt, wo sich Mama und Papa soweit als möglich um die Kinder kümmern, die später sicherlich zufrieden auf ihre Kindheit zurück blicken werden.
      Weiter so!
      Gruß von Opa Dieter

  2. Danke für die nette und interessante Antwort. Was Du schreibst sehe ich genauso!
    Ein nicht unwichtiger Grund ist meiner Meinung nach aber auch die übergroße Auswahl die wir heute in allen Bereichen des Lebens haben. Wenn ich wollte könnte ich meinen Arbeitsplatz wechseln, die Wohnung, den Partner…Und allzu oft wird das dann auch gemacht, erst recht wenn es mal schwierig wird. Früher mussten die Paare und Menschen im allgemeinen ganz anders zusammenhalten, Mann und Frau ( Familien, Nachbarn…) brauchten einander. Ich als Frau muss heute sehen, dass ich alleine zurecht komme. Ich kann mich bei der Scheidungsrate heutzutage nicht darauf verlassen mit meinem Partner den Rest des Lebens zu verbringen. Und falls er irgendwann weg ist, MUSS ich mich selbst ernähren können. Der Mann ist der Frau gegenüber ja nicht mehr unterhaltspflichtig. Ich kann mich deshalb doch gar nicht trauen, als Hausfrau jahrelang zu Hause zu bleiben, selbst wenn ich es könnte. Oder?
    Und die große Auswahl lässt auch viel mehr Zweifel zu. Sollte ich noch etwas ändern in meinem Leben, brauche ich noch etwas Neues, habe ich mich auch tatsächlich verwirklicht? Verpasse ich etwas?
    Meine Oma und Opa haben ,egal wie schwer es manchmal war, niemals über eine Trennung nachgedacht.Das gab es einfach gar nicht.Und wer als Sohn eines Fleischers geboren war, der wurde eben auch Fleischer.Und ausgewandert ist man auch nicht einfach weil man mal was anderes brauchte. Und die Frau lag nicht nachts wach und grübelte, wie sie Karriere und Kinder unter einen Hut bringen soll.Allerdings hatten diese Zeiten natürlich auch Nachteile .Vor allem für Frauen, die sehr abhängig waren und weniger selbstbestimmt leben konnten.
    Hach ja…ich weiß auch nicht was „besser“ ist…..:-)

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