Jogis Faschingsstreich!

Bundestrainer Joachim Löw setzt seinen Jugendstil fort – und wird dafür belohnt. Süle, Kimmich und Gnabry stehen für das Team der Zukunft. „Es sind Spieler, die dauerhaft das Gerüst bilden können.“

Dieser Artikel war bereits am 17.11.2018 der Abendzeitung und in Focus-Online zu lesen. Weshalb also heute diese Aufregung in den deutschen Medien über einen Austausch der Akteure?

Nachdem sich eine große Zahl der deutschen Medien über eine sicherlich nicht leichtfertig getätigte Entscheidung unseres Fußball-Jogis hinreichend in jeder Richtung aufgeregt hat, möchte auch ich meinen Senf dazugeben.
Was ist eigentlich so Ungeheuerliches passiert?

Drei erfolgreichen, verdienten Fußballspielern wurde innerhalb eines persönlichen Gesprächs mit dem Bundestrainer mitgeteilt, dass sie künftig im Nationalmannschafts Kader keine Berücksichtigung mehr finden werden, weil der bereits lange angekündigte Umbruch der Mannschaftsstruktur nun vollzogen werden soll. Jungen, vor Ehrgeiz strotzenden Spielern soll eine Chance gegeben werden, ebenfalls ihr Können in die Mannschaft einzubringen.
Nach dem Desaster bei der letztjährigen Fußball Weltmeisterschaft ist dieser Schritt eigentlich nicht verwunderlich. Dass es natürlich gleich drei Haudegen des FC Bayern trifft, bringt das Blut bei einigen echten- und unechten Bayern-Fans zum Kochen. Wäre der Auftritt bei der WM nicht derart desaströs ausgefallen, würde niemand die Dringlichkeit des Umbruchs herbeigerufen haben.

Es ist unbestritten, dass die Herren Hummels, Boateng und Müller Großes für den deutschen Fußball im eigenen Verein und in der deutschen Nationalmannschaft geleistet haben. Sie können dies auch weiterhin in ihrem Verein unter Beweis stellen, denn dort sind sie angestellt und dort werden ihre Leistungen überdurchschnittlich honoriert.

Worüber regt sich ein Herr Thomas Müller eigentlich so auf? Erwartet er zu seinem Ausscheiden aus der Nationalmannschaft mit einem Zapfenstreich verabschiedet zu werden?
Trainer Trapattoni hätte seinerzeit den richtigen Spruch auf Lager gehabt: „Was erlauben sich Spargelbein Muller?“

Im normalen Leben, außerhalb der glorreichen Fußballwelt, werden jeden Tag Leute, die sich auch für unersetzlich halten, in den Ruhestand geschickt, ganz ohne Zapfenstreich und ohne großes Geschrei.
Was ist daran so falsch, dass man eine notwendige, langfristig getroffene Entscheidung als Erstes den Betroffenen persönlich mitteilt und anschließend die Medien informiert? Das zeigt doch nur, dass hier keine Spontanentscheidung getroffen wurde.
Leider wird dieser Weg sehr oft nicht eingehalten, weil diverse Journalisten über dubiose Kanäle jeden noch im Orbit befindlichen Furz aufsaugen, um dann mit einer reißerischen Schlagzeile in die Öffentlichkeit zu ziehen. Wäre es unseren Fußballhelden lieber gewesen, auf solche Weise von ihrem Abschied zu erfahren?

Ich bin leidenschaftlicher Hörer des Radiosenders NDR2. Die Frühsendung ist immer, neben guter Musik, recht locker und informativ.
Heute morgen haben sich bei den Kommentaren der Moderatorin Ilka allerdings mehrfach meine Nackenhaare aufgestellt. Thema Numero 1 = Der angebliche Stilbruch von Joachim Löw
„Wie kann sich ein Bundestrainer nur so verhalten? Er hätte sich zumindest von den Spielern einen Termin geben lassen müssen, damit diese sich auf das Gespräch hätten vorbereiten können. Diese armen Kerle so schändlich zu behandeln, das hat nun wirklich keinerlei Stil!“
Ich wage mir nicht vorzustellen wie die Sendung verlaufen wäre, wenn es sich bei den Ausgemusterten um Spieler von Werder Bremen gehandelt hätte.

Im Bayrischen Lager, ganz besonders bei Thomas Müller herrscht die Meinung vor, dass den drei Spielern nicht die ihnen zustehende Wertschätzung vom DFB entgegengebracht wird. Gerade diese drei Herren wurden über viele Jahre von allen Seiten hofiert und gelobhudelt. Was erwartet ein Thomas Müller denn sonst noch, nur weil er als Spargeltarzan über etwas mehr Talent zum Fußballspiel verfügt, als viele andere seines Alters. Er erfährt an jedem Monatsende eine große Menge an Wertschätzung oder Überschätzung.
Alle drei könnten nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau Fußball spielen. Das spricht ihnen auch niemand ab, sie können es Woche für Woche in ihrem Verein unter Beweis stellen. Ob das auch in der Nationalmannschaft immer der Fall war, sollten sie selbst abschätzen können.

Ich würde mir wünschen, dass sich die drei Betroffenen mit der Entscheidung des Bundes-Jogis abfinden können und mit Freude die weitere Entwicklung der Nationalmannschaft beobachten dürfen.
Jeder von Ihnen ist durch den Fußball bereits in relativ jungen Jahren zum Millionär geworden und wird bei einem normalen Lebensstil nie über finanzielle Sorgen zu klagen haben, wovon die Mehrzahl der Fans nur träumen kann. Andererseits sollten sie dann aber auch einsehen, dass alles im Leben einmal endet, auch wenn man es selbst nicht so ganz einsehen möchte.
„Alles Müller, oder was?“

 

 

Ein Gedanke zu „Jogis Faschingsstreich!“

  1. Ich finde den Vergleich mit dem wirklichen Leben gut. Jeder, der über 50, noch besser über 60 ist, weiß welche Wertschätzung viele Unternehmen den Menschen dieser Altergruppen zuteil werden lassen. Das heißt zwar nicht, dass das überall (also auch im Fußball) so sein müsste. Es schadet aber nicht, wenn man diesen hochbezahlten Herren zeigt, wie sehr sie bei der WM im vergangenen Jahr enttäuscht haben. Eigentlich fehlt nun nur noch Yogis Rücktritt. Der folgt vielleicht schneller als wir glauben.

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