Hauptstadt Flair

City Trip

In der letzten Woche haben wir es endlich geschafft, unser bereits 20 Monate altes Weihnachtsgeschenk einzulösen. Unsere Kinder hatten meiner Frau und mir, einen dreitägigen Städtetrip nach Wahl geschenkt.

Nach längerer Überlegung hatten wir uns schließlich für eine Fahrt mit dem Auto nach Berlin entschieden. Vor diesem Entschluss war von einer geplanten Großdemonstration gegen die Corona-Politik der Bundesregierung am Brandenburger Tor noch keine Rede.

Wir hatten uns für ein Hotel, im nicht ganz so feinen Ortsteil Moabit/Bezirk Mitte entschieden. Eine bezahlbare Gegend im Multikulti-Eck, unmittelbar an der Spree gelegen.

Endlich Urlaub!

Bereits kurz nach unserer Ankunft wollten wir das erweiterte Umfeld unserer Unterkunft erkunden und wir machten uns deshalb umgehend auf einen Fußmarsch über den Berliner Hauptbahnhof, ins Regierungsviertel, um uns das Reichstagsgebäude mit dem Bundestag und das Bundeskanzleramt anzusehen. Auf dem Vorplatz des Bundeskanzleramtes hatten zahlreiche Fernsehanstalten ihre Kameras und Mikrofonanlagen aufgebaut. Die einzelnen Reporter hofften darauf, einen der Ministerpräsidenten vor die Linse bekommen zu können, die allesamt bei der Kanzlerin zum Rapport geladen waren.

Wir hatten Besseres zu tun, vom Gebäude des Kanzleramtes war es nur noch ein Katzensprung zum Brandenburger Tor, dem Symbol unserer Hauptstadt.
Trotz des schönen, sonnigen Wetters konnten wir an diesem Donnerstag sämtliche Bauwerke in Ruhe bestaunen. Selbst am Brandenburger Tor war nicht erkennbar, dass hier größere Aktionen in Vorbereitung waren. Es waren erstaunlich wenig Touristen in dieser Region unterwegs.

Weiter ging es bis zum Qualmen der Füße über die Prachtstraßen  „Unter den Linden“ und „Karl Liebknecht“ bis zum Alexanderplatz. An unserer heutigen Endstation war endlich „Erholen“ angesagt.
Da wir den Rückmarsch nicht überlebt hätten, nutzten wir die zahlreichen Möglichkeiten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln wieder in unser Hotel zu gelangen.

Tag der Demo

Am darauffolgenden Freitag sah die Berliner Welt schon ein wenig anders aus. Nach einer ausgedehnten Spree-Brückenfahrt, über einen Zeitraum von mehr als drei Stunden, machten wir uns am späten Nachmittag wieder auf den Weg in die Innenstadt. Da an diesem Wochenende eine Großdemonstration gegen die Regierungs-Politik aufgerufen war, sind wir natürlich neugierig geworden und wollten uns einen Eindruck von den Entwicklungen vor Ort verschaffen.

Bereits auf dem Weg zum Brandenburger Tor trafen wir immer wieder auf kleinere Gruppen junger Leute, denen die Vorfreude auf zu erwartende Ereignisse anzusehen war. Überall in den Grünanlagen, selbst auf den Wiesen vor dem Reichstag, hatten sich Pulks gebildet, die auf etwas Bestimmtes zu warten schienen. Diese Gruppenbildungen verdichteten sich, je näher wir dem Symbol der Stadt kamen. Auch die Polizeipräsenz nahm ständig zu, fast pausenlos waren die Martinshörner im Einsatz.
Rund um das Brandenburger Tor hatten sich einige Schaulustige postiert, erkennbar an ihrem Mund-/Nasenschutz, meist ältere Leute.
Auf der Rückseite, im Bereich „Unter den Linden“, war die erste grölende Gruppierung, flankiert von Polizeieinheiten, erkennbar. Ein Einpeitscher brüllte mit Hilfe eines Megafons auf einen Haufen dichtgedrängter, grölender und fahnenschwenkender Idioten ein. Keiner von ihnen trug einen Mund-/Nasenschutz, jeder von ihnen hielt sich wohl aufgrund seiner Blödheit für immun.
Bei früheren Demonstrationen trugen die gleichen Leute Sturmhauben, um sich verbotenerweise vollständig zu vermummen. Heute sind sie dämlicher Weise nicht einmal in der Lage, sich und andere  durch einen Mund-/Nasenschutz vor einer Corona-Ansteckung zu schützen.

Diesen Chaoten geht es überhaupt nicht darum, gegen ein bestimmtes Thema zu demonstrieren. Derartige Typen nehmen jedes Thema zum Anlass, auf die Barrikaden zu gehen und für Gewalt zu sorgen.
Selbstverständlich waren unter den Demonstrierenden nicht nur Reichsbürger, AFDler und sonstige Blödköppe zu finden. Es gab auch Menschen, die tatsächlich nicht von der Corona Politik unserer Regierung überzeugt sind und deshalb auf die Straße gingen. In der Regel gehen diese Leute allerdings in der grölenden und randalierenden Menge der Chaoten unter.

Nichts wie weg!

Um nicht in irgendwelche Aktionen oder Streitigkeiten mit den demonstrierenden Krawallmachern verwickelt zu werden, traten wir bereits nach kurzer Zeit den Rückzug in ruhigere Gefilde an, um dort den Abend mit einem gemütlichen Restaurantbesuch ausklingen zu lassen.

Wir waren nicht unglücklich darüber, dass wir bereits am nächsten Morgen unsere Rückreise antreten mussten. So brauchten wir nicht mehr die schändliche Erstürmung des Reichstags durch fahnenschwenkende Rechtsradikale mitzuerleben.

 

 

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