Gesundheit „first“

Unsere verehrten Fachärzte!

Langsam beginne ich zu begreifen, warum sich derart viele Bürger nach einer Bürgerversicherung sehnen und sich deshalb mit dem Geschrei der Sozialdemokraten solidarisch erklären. Fast jeder Pflichtversicherte muß häufig am eigenen Leib erfahren, dass in unserem Gesundheitssystem so einiges aus dem Ruder läuft. Es geschehen Dinge, die man einfach in dieser Form nicht hinnehmen darf und die den Wunsch nach einer gravierenden Änderung im Gesundheitswesen verständlich macht.
Hier ein Beispiel für ein Unding, das mir gestern selbst widerfahren ist.

Ich schicke voraus, dass ich seit vielen Jahren der grossen Schar von chronisch Kranken angehöre und mich seit ca. 30 Jahren mit dem Diabetes 2 herumschlagen muß. Zum Umgang mit dieser Volkskrankheit gehört es, dass man sich regelmäßigen Gesundheitschecks unterzieht und seinen Blutzuckerspiegel permanent im Auge behält.
Zur Vermeidung oder Eindämmung von Folgeschäden bedarf es zusätzlich einer regelmäßigen Kontrolle der Augen, der Füße und des Nervensystems.

Im Rahmen dieser Gesundheitsvorsorge wollte ich mich Mitte Januar bei einem Augenarzt aus dem Nachbarort Delmenhorst, den ich bereits im Jahr zuvor aufgesucht hatte,  zur Kontrolle anmelden. Nachdem ich am Telefon meinen Namen genannt hatte, erhielt ich nach kurzer Einsicht in meine Unterlagen folgende Auskunft: Eine kurzfristige Terminvergabe sei leider nicht möglich, weil man bereits die Termine für die kommenden drei Monate verplant habe. Erst für den Monat Mai sei ein freier Termin möglich.
Nachdem ich dreimal kräftig geschluckt hatte, erklärte ich mich widerstrebend mit einer Untersuchung im Mai einverstanden und verlangte von der flexiblen Empfangsdame einen Termin, weil ich ja schließlich keine andere Möglichkeit sah.
Nun aber  verschlug es mir endgültig die Sprache. Die junge Dame erklärte mir jetzt, dass sie noch keine Termine für Mai vergeben dürfe, ich solle doch Anfang Februar noch einmal anrufen, damit wäre dann die Dreimonatsfrist auch eingehalten.

Nach diesem Erlebnis und nach einigen ähnlichen Vorkommnissen bei anderen sogenannten Fachärzten bin ich nun auch der Überzeugung, dass in unserem Gesundheitswesen ein denkbar fetter Wurm steckt.
Vor allem die Kategorie der Fachärzte, die sowieso zu den Spitzenverdienern zählt, sitzt auf einem sehr hohen Roß. Vielfach muß ein Patient regelrecht darum betteln, eine Gegenleistung zu seinen regelmäßig abgeführten Kassenbeiträgen, von den Ärzten zu bekommen. Dies betrifft in der Hauptsache Haut- und Augenärzte.
Wie läßt sich diese Handlungsweise mit der freien Arztwahl und dem Einholen einer zweiten Diagnosemeinung vereinbaren?
Man muß ausgesprochen froh sein, überhaupt einen Facharzt zu finden, der einen Teil seiner wertvollen Arbeitskraft zu einer Untersuchung zur Verfügung stellt. Der Schlüssel, überhaupt einen Termin zu bekommen, liegt darin, bereits in zurückliegender Zeit zu seinen Patienten gehört zu haben.
Als neuer Patient sind die Chancen vielfach gleich Null.
Ist es bei Betrachtung dieser Vorgehensweise verwunderlich, wenn vielfach der Zorn der Kassenpatienten überschwappt und der Ruf nach einer Änderung des Kassensystems laut wird?

Wer aber glaubt, dass eine Bürgerversicherung zum Frustabbau bei den derzeitigen Kassenpatienten führen wird, der befindet sich auf dem Holzwege. Wenn bereits heute ein Privatpatient bevorzugt behandelt wird, der wird auch nach einer Umwandlung zum Kassenpatienten weiterhin in der Lage sein, seinen bisherigen Status aufrecht zu erhalten.
Hierzu wird ihm eine zusätzliche Privatversicherung hilfreich zur Seite stehen.
Es wird für den Arzt also keinen Anlaß geben, seine Liebe zu Privatpatienten zu reduzieren. Die Zweiklassenbehandlung wird sich zumindest bei der Terminvergabe  in keinster Weise ändern.

Wie in fast allen Bereichen des täglichen Lebens ist auch bei der Ärzteschaft das Profitprinzip, sicherlich gezwungenermaßen, an die erste Stelle ihrer Tätigkeit gerückt.

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