Wochenendeinkauf

 Einkaufen ist Klasse !

Lieben Sie auch diese herrlichen Wochenendeinkäufe, bei dem jeder zu glauben scheint, dass es in der Folgewoche keine Lebensmittel mehr geben könnte?

Wenn man diesem Gewühl unverletzt entkommen möchte, muß man sich für einen gekonnten Slalom, vorbei an prall gefüllten Einkaufswagen, präparieren. Den Höhepunkt des Genusses erlebt man dann regelmäßig an den Kassen, wobei die Personalknappheit besonders deutlich wird.

Am heutigen Freitag stand ich wieder einmal, wie auch an vielen anderen Tagen der Woche, an der Kasse unseres Supermarktes. Ich hatte es mittlerweile bis an die dritte Stelle der Schlange geschafft. Vor mir ein junger Mann mit einem Beutelchen Obst und einer Tüte Milch, davor ein älterer Herr, der seine Ware bereits auf das Laufband gepackt hatte. Es war ausgesprochen erfreulich, dass niemand mehr mit einem riesigen, prall mit Lebensmitteln gefüllten Wagen, vor mir stand. Der Senior stapelte seinen bezahlten Einkauf sorgfältig in seinen mitgebrachten Korb und kramte anschließend in seiner Hosentasche, aus der er dann seine Geldbörse zauberte. Während dessen murmelte er ständig vor sich hin, offensichtlich wollte er der Kassiererin etwas Wichtiges erzählen, oder ganz einfach nur mit ihr plaudern. Der Erfolg war niederschmetternd. Die Dame reagierte überhaupt nicht auf ihn, sie starrte einfach ins Leere. Der Alte streckte ihr einen Geldschein entgegen und suchte danach in seinem Portemonnaie nach dem verflixten Kleingeld. Seine etwas klobigen Finger taugten nicht mehr dazu, die kleinen Münzen aus dem Fach zu fischen. Nach einigen Angelversuchen schüttete er den Inhalt in die Handfläche und streckte diese Hand der Kassiererin entgegen, damit sie sich selbst bedienen sollte. Hinter mir war bereits ein leises Stöhnen und ein geflüsterter Kommentar zu hören: „Immer diese Alten, die den ganzen Verkehr aufhalten!“

Die Kassiererin ließ sich nicht beeindrucken, sie fischte routiniert das erforderliche Kleingeld aus der Hand des Alten, gönnte ihm keine Antwort auf sein Gemurmel und wandte sich dem jungen Mann zu, der vor mir an der Reihe war.

Seine beiden Artikel waren schnell in die Kasse eingetippt. „Sechs Euro 52 bitte!“ „Karte“ hörte ich ihn nur sagen. Daraufhin griff er in seine Tasche und förderte eine Mappe mit diversen Plastikteilen ans Tageslicht. Dann ging das Theater richtig los. Erste Karte wurde von der Kasse nicht akzeptiert, zweite Karte ebenfalls nicht. Bei der dritten Karte war die eingegebene Geheimzahl nicht richtig.

Diesmal war kein Geflüster von den nachfolgenden Kunden zu hören, dafür scharrte mein Hintermann bereits mit den Hufen. Mit hochrotem Kopf zog der junge Mann sein Handy aus der Jackentasche und suchte auf dem Display nach der richtigen PIN. Endlich klappte es, diesen nervenaufreibenden Registriervorgang zum Abschluss zu bringen. Wäre dieser Kunde ein Rentner gewesen, der für diesen kleinen Betrag einen solchen Zirkus veranstaltet hätte, wäre dieser sicher gelyncht worden.

Die Kassiererin sah anschließend dankbar zu mir auf, als ich meine Ware mit abgezähltem Bargeld beglichen hatte und daraufhin schnellstens verschwand.

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