Die roten Muschis

 

Wahre Verhandlungskünstler!

Beendigung der Sondierungs-Gespräche

Als Verehrer des Kölner und des Mainzer Karnevals darf ich hiermit feststellen, dass sich derzeit, knapp einen Monat vor dem Höhepunkt des jährlichen Karnevaltreibens, eine neue närrische Truppe etabliert, die alle übrigen Vereine weit in den Schatten stellt.
Unter dem Namen „die roten Muschis“ gegründet, strapazieren sie derzeit unser aller Nerven.

Ausgehend von der Überzeugung der deutsche Messias zu sein, träumte der jetzige Karnevals-Präsident Martin noch vor drei Monaten davon, sehr bald die Berliner Hexe von ihrem Thron stoßen zu können, um dann zum gerechten Wohltäter des Landes zu werden. Diese Vorstellung zerplatzte allerdings sehr bald wie eine übergroße Seifenblase.
Ganze mickrige 20% Zustimmung bescherte das unbelehrbare Wählervolk ihm und den Ideen seiner Mitstreiter.  Tief gedemütigt und beleidigt zog er sich daraufhin in Begleitung seiner getreuen Mannen in den Untergrund zurück, um allen zum Trotz, einen etwas anders gearteten Sieg zu feiern. Er hatte es tatsächlich geschafft, seine Truppe mit  dem Titel der Oppositionsführerschaft zu küren.  Aus dieser Position war der politische Feind am effektivsten zu ärgern und man war jede eigene Verantwortung los. Ein kleiner Trost nach der erlittenen Schmach!
Nun schlug die Stunde der kleinen Parteien die Regentschaft zu übernehmen, um endlich einmal an die Fleischtöpfe der Macht zu gelangen.
Dieser Vorsatz war leider zum Scheitern verurteilt, weil in einer Partei ein falschen Fufziger auf seine Chance lauerte, eine alte, noch offene Rechnung zu begleichen.  Durch seine offensichtliche Sabotage zerstörte er sämtliche Träume all seiner regierungswilligen Kollegen.

Jetzt konnte nur noch unser Staatsoberhaupt die verfahrene Situation retten. Von ihm wurde Martin unverzüglich aus seiner Lethargie wach geküsst und an seine staatsmännische Pflicht erinnert.
Derzeit eröffneten sich wieder völlig neue Perspektiven für die bisherigen Luser. Ein milchiges Licht am Horizont erweckte plötzlich die eingeschlafenen  Lebensgeister. Jetzt oder nie, lautete die Parole.

Gemeinsam mit seinen zwölf Aposteln machte sich der Messias auf den Weg nach Berlin, um die Gunst der Stunde zu nutzen. Seine Mannen wurden händeringend gebraucht, um endlich eine Regierung auf die Beine stellen zu können. Verloren gegangene Pöstchen waren wieder in greifbare Nähe gerückt. Unter diesem Aspekt gelang es erstaunlicherweise, innerhalb einer knappen Woche eine Einigung über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der Gegenseite zu erzielen.
Stolz auf das Erreichte, präsentierte man sich daraufhin dem Parteivolk.

Nun aber ging der Parteienzirkus und das grosse Gejammere wieder richtig los.
Als erstes und unüberhörbar rumorte es bei den parteiinternen roten Welpen. Die sind der Meinung, dass ihr mit 100%iger Zustimmung gekürter- und auf 80% reduzierter Anführer, sich von der Gegenseite über den Tisch habe ziehen lassen. Sie bemängeln, dass zahlreiche Themen aus ihrem Parteiprogramm unvollständig, oder überhaupt nicht im Sondierungspapier in Erscheinung treten. Erstaunlicherweise trompeten einige der Verhandlungsteilnehmer ins gleiche Horn.
Was ist das denn für ein Armutszeugnis?
Was glauben denn diese Herrschaften?
Das Wählervolk hat ihr so glorifiziertes Wahlprogramm mit ganzen 20% der Stimmen abgestraft. Ja glauben denn die roten Muschis, dass ihr Parteiprogramm nun zur Grundlage für ein neues Regierungsprogramm werden müsse?
Man könnte ja fast den Schluß daraus ziehen, dass die Verhandlungs- Delegation nur aus völlig unfähigen Leuten bestanden habe, die jetzt auch noch eine Regierungsverantwortung übernehmen wollen.
Kommenden Sonntag hat nun der Parteitag darüber zu entscheiden, ob ihr Anführer sich wieder in den Schmollwinkel zurückziehen muß, oder einen weiteren Versuch seiner Rehabilitierung starten darf.

Die momentane Schadensbegrenzung für den Parteivorstand besteht darin, als Karnevalstruppe, bestehend aus Elferrat, Bauer und Jungfrau durch die Lande zu ziehen und vor den jeweiligen Landesverbänden eine erklärende Büttenrede zu halten. Jetzt muß den Leuten eindeutig klar gemacht werden, dass nur innerhalb der Regierungsarbeit die Fäden für Veränderungen gezogen werden können. Hier und jetzt können sie beweisen, was in ihnen steckt und dass sie zur Verantwortungsübernahme bereit sind.
Es ist nur zu hoffen, das diesmal das politische Schicksal der Mandatsträger und der Partei, auch mal dem Schicksal des Landes untergeordnet werden kann.

Sollte diese Hürde am Sonntag erfolgreich genommen werden, steht das nächste karnevalistische Großereignis vor der Tür. Innerhalb einer Mitglieder-Abstimmung wird dann endgültig (hoffentlich) darüber entschieden, ob die Partei sich an einer Regierung beteiligen darf, oder endgültig im Untergrund verschwinden muß.
Für den Untergrundfall ist bereits unter Beibehaltung der Symbol-Buchstaben der neue Vereinsname: Senile Politik Diletanten festgelegt worden.

„Ätschi, Bätschi!“

 

 

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