DB Irrsinn

Bahn frei für Kinder

Heute habe ich mich aus gegebenem Anlass dazu durchgerungen, nicht nur zu nörgeln, sondern kräftig auf die Deutsche Bahn zu schimpfen!

Was ist der Anlaß für meinen Zorn auf die ansonsten hochgelobte, immer pünktliche und stets hilfsbereite Deutsche Bahn?an725

Anläßlich meines letzten Geburtstags habe ich zu meiner großen Freude von meinen Kindern einen Geschenk-Gutschein für zwei Personen zu einem Event in Hamburg bekommen.
Meine Frau und ich hatten dadurch die Möglichkeit, an einem Sonntag unserer Wahl, mit einem Dreimaster den Hamburger Hafen unsicher zu machen und ein Stückchen in See zu stechen.

Letzten Sonntag war es dann soweit.
Wir wollten ausnahmsweise mal auf unser Auto verzichten und uns bequem und preiswert durch die DB nach Hamburg bringen lassen.
Auf der Suche nach einem günstigen Beförderungspreis stieß ich im Internet auf das regionale Niedersachsen-Ticket.
Die Vorteile dieses Tickets liegen auf der Hand:

Der Bucher zahlt einmalig 23 € für einen Tag, und für jeden weiteren fahrkarte1mitfahrenden Erwachsenen werden jeweils 4 € zusätzlich berechnet.

  • Für diesen Preis sind beliebig viele Fahrten innerhalb eines Tages mit bis zu 5 Personen möglich
  • ­­Gilt in Bremen und Hamburg, jetzt auch mit dem Niedersachsen-Ticket plus Groningen bis in die Niederlande
  • ­Alle Nahverkehrszüge, Verkehrsverbünde sowie fast alle Linienbusse
  • Eigene Kinder und Enkel unter 15 Jahren in vielen Fällen kostenlos

Dieses Angebot kam uns sehr entgegen, weil mein erwachsener Sohn und unser zwölfjähriges Enkelkind an diesem Ausflug gerne teilnehmen wollten.

Also habe ich das Ticket für 4 Personen buchen wollen. Nach Eingabe der Personenzahl erschien auf dem Ticket der Aufdruck 4 Erwachsene. Da wir jedoch lediglich 3 Erwachsene und ein Kind waren, habe ich die Buchung auf drei Erwachsene geändert und wie gewünscht, die Namen aller Teilnehmer auf dem Ticket vermerkt. Im guten Glauben, ein gültiges Ticket gebucht zu haben, machten wir uns am Sonntag zu viert per Bahn auf den Weg nach Hamburg.

Kurz vor dem Eintreffen am Hamburger Hauptbahnhof wurde unser Fahrschein von einer weiblichen Zugbegleiterin kontrolliert.
Diese Dame klärte uns dann sofort darüber auf, dass wir über keinen gültigen Fahrausweis verfügen würden, weil wir für das Enkelkind nicht bezahlt hätten.
Da half uns auch kein Hinweis, dass es sich hier um ein 12jähriges Kind handelt, welches kostenfrei befördert wird und dass sein Name auf dem Ticket aufgeführt sei.
Wir wurden als teilweise Schwarzfahrer angesehen und auch so behandelt.
Um die Angelegenheit zum Abschluß zu bringen, wollten wir die 4 € für unseren Enkel nachzahlen.
Dann kam der grösste Hammer!

„Das geht nicht, wir haben die Anweisung, im Zug keinesfalls nachzulösen. Ich kann Ihnen aber aus Kulanzgründen ein zusätzliches Niedersachsen Ticket für 23 € verkaufen.
Machen Sie sich nichts daraus, bei den online-Tickets erleben wir es immer wieder, dass bei dem Eintrag der Kinder etwas schief läuft. Das ist auch im Internet sehr unglücklich beschrieben.“
flayerDaraufhin hielt sie mir einen Flyer unter die Nase aus dem eindeutig hervor gehen sollte, dass sie wohl Recht hätte. Tatsächlich ist im Flyer (der uns vorher nicht bekannt war) das eindeutig aufgezeigt, was im Internet bei der Buchung erst im Kleingedruckten nach gezieltem Suchen zu finden ist.

Um den Zug als freier Mann verlassen zu können, habe ich das zusätzliche Abzocker Ticket unter Protest gekauft und bezahlt

Fazit:
Wie mache ich es einem normal denkenden Menschen klar, dass in diesem Tarif, Eltern, die insgesamt 27€ gezahlt haben, beliebig viele eigene Kinder und Enkelkinder kostenlos mitnehmen können und andererseits Eltern mit einem erwachsenen Sohn, die 31€ gezahlt haben, nicht ein einziges Enkelkind unter 15 Jahren kostenfrei mitnehmen dürfen.
Wenn bei dieser bescheuerten Regelung immer wieder Probleme durch Falschauslegung auftreten, kann es nicht nur an den Fahrgästen liegen.

Mich befremdet, dass die Zugbegleiter sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt regelrecht auf diese online-Tickets warten, weil sie offensichtlich das Problem kennen und sich auf einen zusätzlichen Ticket-Verkauf freuen dürfen.
Weiterhin befremdlich ist der Umstand, dass dieser Fall nicht durch Nachzahlung der angeblich fehlenden 4 € aus der Welt geschafft werden kann. Statt dessen muß ein zusätzliches Niedersachsen Ticket für 23 € gekauft werden. Erhalten die Kontrolleure hierfür evtl. eine Verkaufsprämie?

Ich als Rentner, der mit jedem Euro rechnen muß, fühle mich auf jeden Fall von der Bahn über den Tisch gezogen und bin gespannt auf deren Reaktion, über die ich noch berichten werde.
Haben Sie auch schon Ihre Erfahrungen mit dem Niedersachsen Ticket machen dürfen, würde ich mich über einen entsprechenden Kommentar freuen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu „DB Irrsinn“

  1. Noch am Tage meines Berichts hat sich die Kundenbetreuung der Deutschen Bahn bei mir gemeldet und sich für den geschilderten Vorfall entschuldigt.
    Der Bahn war die Problematik bei der Auslegung des Niedersachsen-Tiketts bereis aus anderen Beschwerden bekannt und sie hat ihre Zugbegleiter zu einer großzügigen und kulanten Behandlung ihrer Fahrgäste angewiesen.
    Unser Pech bestand darin, dass wir unsere Fahrt nicht mit der DB, sondern mit der Metronom Eisenbahngesellschaft durchführen mussten. Dieser private Verein hat wohl eine andere Einstellung, was die Behandlung ihrer Kunden angeht. Das ist allein schon daraus ersichtlich, dass die Firma Metronom weder auf ein Schreiben der Bahn, noch auf meine Reklamation bisher reagiert hat.
    Dieses Verhalten entspricht ganz sicher nicht ihrer Werbeaussage im Internet:

    „Engagiert in Bewegung“
    Die metronom Eisenbahngesellschaft engagiert sich seit 2003 für einen qualitativ hochwertigen Schienenpersonennahverkehr in Norddeutschland. Im Mittelpunkt unserer Unternehmungen stehen Sie als unser Kunde und geben den Maßstab unseres Handelns an. Ihre Zufriedenheit ist unser Erfolg.
    Durch strikte Kundenorientierung und Qualitätsmanagement arbeiten wir in allen Unternehmensbereichen kontinuierlich an der Weiterentwicklung unseres hohen Standards.
    Wir bleiben für Sie „Engagiert in Bewegung“!

    Von diesem Engagement konnte ich bisher leider nichts verspüren.
    Bei zukünftigen Bahnreisen werde ich auf jeden Fall versuchen, von Metronom-Angeboten keinen Gebrauch zu machen!

    Die Deutsche Bahn hat mir die umgehende Rückerstattung des doppelt bezahlten Reisepreises für mein zwölfjähriges Enkelkind zugesichert. Außerdem sollen im kommenden Jahr die Bestimmungen für eine kostenfreie Kinderbeförderung entsprechend geändert werden, damit sich derartige Vorfälle nicht mehr wiederholen.

  2. Nach gut einem Monat erhielt ich ein Schreiben der metronom, in dem mir mitgeteilt wurde, dass ich nur aus Kulanzgründen nicht als Schwarzfahrer behandelt worden bin.
    Diese Aussage hat mir die Sprache verschlagen und mich veranlasst, einen letzten deutlichen Gruß an die metronom Gesellschaft zu senden.
    Diesen Verein werde ich ganz sicher nie wieder in Anspruch nehmen.
    Bei der Deutschen Bahn habe ich abschließend auf eine kulanzweise Rückzahlung verzichtet!

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