Aussteiger IV

 

Schon während der Bauphase beobachtete Helmut mit Sorge seine nähere Umgebung. In nicht allzugroßer Entfernung konnte man die Entstehung einer neuen Autobahn beobachten.

Blick auf Brücken-Neubau
Blick auf Brücken-Neubau

Das störte ihn nicht sonderlich, aber die Zufahrt zu seinem Haus und Grundstück führte unmittelbar unter einer Autobahnbrücke hindurch. Außerdem hatte man direkt neben dem Zufahrtsweg zwischenzeitlich ein Zementwerk errichtet, welches während der Arbeitszeit für permanente Staubwolken sorgte. Bei Regenwetter bildete sich ein zäher Schlamm, der den Weg für normale Autos fast unpassierbar werden ließ. Helmut stellte besorgt fest, dass er von den geplanten Feriengästen eigentlich nur noch mit einem Geländewagen erreichbar war. Desweiteren musste er mit Erschrecken feststellen, dass in seiner unmittelbaren Nachbarschaft immer mehr Plastik-Gewächshäuser aus dem Boden schossen. Von der fast fertiggestellten, nahen Autobahn versprachen sich die Gemüsebauern bedeutend bessere Verbindungen zu den Absatzmärkten.
Das von Helmut geplante Ferienparadies wurde durch diese Umstände immer unattraktiver.

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Aussteiger III

Helmut war überwältigt von der Aussicht auf Landschaft, Meer und Berge. „estupendo“ rief er begeistert aus. Er hatte zwischenzeitlich ein neues Wort gelernt, welches er auch tatsächlich richtig benutzte.

Blick vom Hügel auf Küste
Blick vom Hügel auf Küste

„Das ist es, hier werde ich meine neue Hütte bauen!“
Salvatore hatte im Laufe seiner Maklertätigkeit schon einiges erlebt, aber noch nie so einfach ein Geschäft gemacht. Das Grundstück war bereits so gut wie verkauft, ohne dass er ein einziges Wort gesagt hatte. Er spürte aber instinktiv, dass es jetzt an der Zeit war, das Wort zu ergreifen.
„Ein herrliches Stückchen Land! So eine wundervolle Aussicht und diese herrliche Ruhe findest du so leicht nicht wieder.“
„Und so nahe bei Torrox, da kann ich ja weiterhin problemlos zu meiner Stammkneipe und mit meinen Kumpeln ein Gläschen heben, was für ein Glück. Wieviel soll das Grundstück denn kosten?“
„Mein lieber Freund, nachdem ich dich und deine liebe Frau kennen lernen durfte, möchte ich euch eigentlich immer in meiner Nähe wissen. Ich sage dir das nur, damit du verstehst, warum ich die einen Sonderpreis machen werde. Normalerweise würde ich dieses Grundstück niemals verkaufen, denn eigentlich wollte ich dort meinen Alterssitz errichten und meine Rentenzeit genießen.
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Aussteiger II

 

Promenade von Torrox
Promenade von Torrox

Etwa eine Woche nach der fluchtartigen Abreise aus ihrem Heimatort in Deutschland, trafen Helmut und Kati mit ihrem Wohnmobil an der Costa del Sol ein.
Die Reise war nicht sehr anstrengend verlaufen, sie hatten sich Zeit gelassen und die Fahrt in den Süden genossen. Helmut hatte sich jeden Abend in alter Tradition einige Bierchen hinter den Knorpel gegossen und zwei bis drei Flaschen Rotwein vernichtet. Das sorgte regelmäßig für einen tiefen, aber nicht gerade lautlosen Schlaf, während dessen seine Frau alle möglichen Sorten von Ohrstöpseln erfolglos ausprobierte. Helmut war täglich die personifizierte Fröhlichkeit, Kati wurde von Tag zu Tag gereizter.

Durch Freunde und Bekannte wussten Helmut und Kati seit langem, dass die Stadt Torrox, in der sie jetzt endlich angekommen waren, als Hochburg der Deutschen in Südspanien galt.
Sprachprobleme gab es hier nicht, wenn überhaupt, dann nur für die Spanier. Wer in Torrox kein Deutsch sprach, der gehörte einfach nicht hierher.
Helmut hatte keinerlei Probleme, sich mit den Einheimischen, die man in Torrox auch ab und zu antreffen konnte, zu verständigen. Sein gewaltiger Wortschatz wie: trabajo, bandito, cerveza und Feierabend, kam ihm sehr gelegen. Mit dem zusätzlichen Einsatz seiner ausgeprägten Mimik und Gestik, konnte er sich prima mit jedermann unterhalten.
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Aussteiger I

Auswanderer-Schicksal

Küste Costa del Sol
Küste Costa del Sol

Spanien, das gelobte Land für alle Teutonen, die die Sonne lieben und das Leben genießen möchten. Für jene, die dem Stress in Beruf und Familie entfliehen wollen, oder der unkomplizierten und offenen Mentalität der Südländer verfallen sind.

Von Jahr zu Jahr wird die Zahl derer, die sich ein Stelldichein an den Stränden Südspaniens gönnen, größer. Immer mehr Deutsche strömen an die Küsten der Costa Blanca und der Costa del Sol.

Allerdings sind es in den Monaten Juli und August andere Deutsche, die in den Badeorten die Strände überfüllen und in den Städten ein Verkehrschaos verursachen. Es ist die Zeit der jungen Familien, die gemeinsam mit den spanischen Urlaubern aus den Großstädten des Landesinneren, die Appartements und Hotelzimmer füllen und die Kassen der gastronomischen Betriebe zum Bersten bringen.
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