Herzenswunsch

Ich liebe meine Organe!

Ursprünglich sollte dieser Beitrag ein Appell an alle Menschen werden, die bisher noch nicht dokumentiert haben, nach ihrem Tod für eine Organspende zur Verfügung zu stehen.
Nach intensiven Recherchen muß ich allerdings meine bisherige Pro-Einstellung teilweise neu überdenken.

Die Thematik der Organspende ist ein viel diskutiertes und sensibles Thema. Laut einer Umfrage sind angeblich rund 70 Prozent der Befragten grundsätzlich damit einverstanden, dass man ihnen nach ihrem Tod Organe entnimmt. Ein Drittel der Befragten war zum Zeitpunkt der Erhebung jedoch nicht einverstanden oder unschlüssig.
Tatsächlich belief sich die Anzahl der postmortalen Organspender in Deutschland im Jahr 2015 auf 877. Im Jahr 2010 waren es noch knapp 1.300 postmortale Organspender.
Womit ist diese stark rückläufige Tendenz zu begründen, wobei doch jeder weiß, dass sehr vielen kranken Menschen durch mehr Bereitschaft zur Organspende geholfen werden könnte.

Deine Organe werden im Himmel nicht mehr benötigt,
auf der Erde werden sie dringend gebraucht!

Auf der zentralen Warteliste von Eurotransplant stehen gegenwärtig ungefähr 64.000 Patienten, davon in Deutschland mehr als 10.000 Menschen, die alle sehnsüchtig auf ein Spenderorgan warten.
Um die Spendenfreudigkeit der Deutschen zu vergrößern, wirbt die Bundesregierung, in Zusammenarbeit mit den Krankenkassen und diverser Prominenter, in großen und teuren Plakataktionen, für den Organspender-Ausweis. Das Ergebnis ist ernüchternd.
Trotz aller Bemühungen steigt die Zahl der Spendewilligen in der Bevölkerung nicht an. Viele Menschen sind verunsichert. Einerseits möchten sie gerne helfen, andererseits befürchten sie, dass nach der ärztlichen Feststellung ihres Hirntodes ihre Schmerzempfindung bei einer Explantation nicht vollständig ausgeschaltet ist.
Diese Ängste sind nicht von der Hand zu weisen, wenn man sich die Ausführungen in Wikipedia zu diesem Thema ansieht.

„Ich weiß nicht, ob ich auch wirklich tot bin, wenn meine Organe entnommen werden. Verspüre ich dann wirklich keine Schmerzen mehr, oder kann ich mich dann nur nicht mehr bemerkbar machen? Wenn ich tot bin, sind meine Organe doch auch tot und können dann sowieso nicht mehr verwendet werden!“

„Ursprünglich wollte ich meine Organe nach meinem Tod zur Entnahme zur Verfügung stellen, dann habe ich allerdings einen Artikel gelesen, der mir die Haare zu Berge stehen ließ. Wenn das alles wahr ist, was dort geschrieben steht, dann gehe ich dieses Risiko auf keinen Fall ein!“

„Die machen mit meinen Organen Geschäfte, ich kann den Göttern in Weiß und Eurotransplant nicht mehr vertrauen. Man hat schon so einiges Negative über die Organentnahme und -vergabe gehört und gelesen! Wir wissen alle, dass von Ärzten und Krankenhäusern Abrechnungen manipuliert wurden. Wer garantiert mir, dass meine Organspende nicht gegen Höchstgebot verhökert wird?

Diese oder ähnliche Aussagen bekommt man in der Regel zu hören, wenn im Kollegen- oder Freundeskreis über das Thema Organspende gesprochen wird. Fast jeder ist im Ernstfall sofort bereit, ein Organ eines Fremden zu empfangen, eine eigene Spende wird allerdings von vielen wenn und aber begleitet.

Unser aller Innenleben

Warum sollte ich der Gesellschaft meinen Körper bedenkenlos überlassen, ohne zu wissen, was anschließend mit meinen Organen und Geweben geschieht?
Der Organhandel ist zwar nach dem Gesetz richtigerweise illegal und würde eine Straftat darstellen. Aber wird nicht auch auf vielen anderen Gebieten ständig gegen Gesetze verstossen?
Eine Tatsache ist doch nicht von der Hand zu weisen. Mit jeder Organspende werden im Anschluß in verschiedenen Bereichen gewaltige Geschäfte getätigt. Hier nur einige Beispiele:
Die Organe müssen nach dem Hirntod künstlich am Leben gehalten werden.
Das Explantationsteam arbeitet nicht ehrenamtlich,
die Plantationsmaschinerie muß sich amortisieren,
Transporte und Transportgeräte gibt es nicht kostenlos.
Hier könnte man vermuten, dass Organentnahmen nicht nur aus humanitären Motiven vollzogen werden, sondern dass auch wirtschaftliche Gründe eine große Rolle spielen.

Es ist eine ausgesprochen schwierige Entscheidung für jeden Menschen, sich die Frage zu beantworten, will ich nach meinem Tod meine Organe der Medizin zur Verfügung stellen, oder will ich nicht.
Ich habe nach sorgfältiger Abwägung für mich selbst entschieden, kein fremdes Organ haben zu wollen und meine eigenen Organe keinesfalls zu spenden.
Diese sehr persönliche Entscheidung sollte von jedem Einzelnen rechtzeitig zu Lebzeiten getroffen und nach Möglichkeit innerhalb einer Patientenverfügung schriftlich fixiert werden. Andernfalls müssen in einem Ernstfall die nächsten Angehörigen die schwere Aufgabe übernehmen, stellvertretend eine Entscheidung zu treffen.

Für viele kranke Menschen ist es ein Segen, wenn sie ein lebenswichtiges Organ von einem anderen Menschen erhalten können. Derzeit stehen allerdings nicht ausreichend gespendete Organe zur Verfügung, den großen Bedarf zu decken.

Eventuell könnte die Spendenbereitschaft durch eine einfache Maßnahme angeregt werden, die dem Spender verdeutlicht, dass ihm die Gesellschaft als Dank für seine Organspende auch etwas zurückgeben möchte.
Vorstellbar wäre die Übernahme sämtlicher Bestattungskosten, die ja zwangsläufig nach einer postmortalen Organentnahme anfallen werden. Das erforderliche Bestattungsunternehmen wird vorher vom Spender, oder nachträglich von seinen Angehörigen in freier Wahl festgelegt, die Kosten für die Dienstleistung des Bestatters sollten dann von einer noch zu bestimmenden Organisation beglichen werden.
Finanzierbar wäre diese großartige Hilfe, sowohl für den Spender als auch für seine Angehörigen, sicherlich über einen unserer zahlreichen Sozialtöpfe.

Mit dieser Maßnahme würde unsere Gesellschaft ein deutliches Zeichen für die Wichtigkeit einer Organspende setzen!

 

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